Filmkonzeption | Startklar für die Zukunft – Notizen zu  Film und Medien aus Baden-Württemberg

Startklar für die Zukunft – Notizen zu  Film und Medien aus Baden-Württemberg

Jochen Laun, Morticia Zschiesche

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  • Teilhabe
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  • Kulturelle Bildung

Ausgangslage

 

Film ist ein wichtiges Kulturgut, das mit künstlerischem Blick unsere Gesellschaft abbildet und sie gleichzeitig formt. Viele bedeutende Filme wären unter reinen Marktbedingungen nicht produziert worden und bedürfen einer staatlichen Unterstützung, damit sie diese zentrale gesellschaftliche Funktion erfüllen können. Filme und andere audiovisuelle Werke sind darüber hinaus wichtige Wirtschaftsgüter. Die Filmförderung in Baden-Württemberg unterstützt daher als Kunstförderung den qualitätsvollen Film, der sein Publikum findet, und erzeugt gleichzeitig wirtschaftliche Effekte, die den Standort nachhaltig stärken.

Baden-Württemberg verfügt über eine vielfältige Film- und Medienszene. Der Standort wird besonders geprägt durch den Bereich Animation und Visuelle Effekte (VFX), in dem das Land mit international gefragten Unternehmen einen Spitzenplatz einnimmt. Wachsende Bedeutung in diesem Kontext hat schon seit Längerem die Games-Branche, die sich am Standort stetig weiterentwickelt hat. Dies zeigen unter anderem zahlreiche Deutsche Computerspielpreise für heimische Entwicklerinnen und Entwickler in den vergangenen Jahren.

Die von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg geförderten Dokumentar- und Spielfilme stehen für anspruchsvolle Nachwuchs- und Arthouse-Produktionen. Zahlreiche Universitäten sowie staatliche und staatlich anerkannte private Hochschulen des Landes bieten Studiengänge im Film-, Medien- Animations- und VFX-Bereich an und befördern durch ihre nationalen und internationalen Netzwerke, Forschungsprojekte und Auszeichnungen die hohe Qualität der Filmausbildung im Land. Insbesondere die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und ihr Animationsinstitut genießen Weltruf. Baden-Württemberg zeichnet sich außerdem durch eine reiche und ambitionierte Kinolandschaft aus – auch außerhalb der Ballungsräume und in ländlichen Räumen.

Unterstützt wird dies durch die Kinoförderung der MFG, die sowohl mittelständische gewerbliche Kinos mit Arthouse-Programmen als auch Kommunale Kinos einschließt. Erfolgreiche Filmfestivals und Branchenveranstaltungen lenken die Aufmerksamkeit von Publikum und Fachleuten auf den Film- und Animationsstandort. Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart sowie die FMX-Konferenz für Animation, Effekte, Computerspiele und Immersive Medien zählen dabei international zu den wichtigsten Veranstaltungen zu Animation und digitalen -Medien.

Die Sendeanstalten – insbesondere der SWR, aber auch ARTE oder das ZDF – sind als potentielle Auftraggeber für heimische Produzentinnen und Produzenten neben den Streaming-Diensten weiterhin von zentraler Bedeutung. Der SWR ist gemeinsam mit dem Land zudem Gesellschafter der MFG.

 

 


Filmkonzeption im Überblick

 

Der Begriff Filmkonzeption steht für den Anspruch, unser Land durch eine langfristig angelegte Strategie als Film- und Medienstandort zu stärken und weiter auszubauen. Bereits zwei Mal hat das Land in Filmkonzeptionen formuliert, welche Rahmenbedingungen es braucht, um ein gleichermaßen künstlerisch wie wirtschaftlich starkes Filmland Baden-Württemberg zu sichern und ein dauerhaftes Engagement der Filmschaffenden im Land zu gewährleisten.

Der Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2016 sieht vor, die Filmkonzeption Baden-Württemberg aus dem Jahr 2008 unter Einbeziehung aller betroffenen Akteurinnen und Akteure auszuwerten und entlang der festgestellten Verbesserungsbedarfe fortzuschreiben. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat dazu einen beratenden Beirat eingesetzt. Überdies haben Studierende der Universität Tübingen den Prozess begleitet und kommentiert. Das Ministerium hat sich außerdem mit allen wichtigen Branchenvertreterinnen und -vertretern über Bedürfnisse und Ideen ausgetauscht. Dazu hat es gemeinsam mit der MFG eine Reihe von ganz- oder halbtägigen Foren und kleinere Formate zu verschiedenen Themen veranstaltet:

 

  • - Filmstandort Baden-Württemberg und -Filmförderung der MFG
  • - Animation Media und Games
  • - Dokumentarfilm
  • - Kino und Verleih
  • - Filmfestivals und Veranstaltungen -
  • (inklusive Werbe- und Wirtschaftsfilm)
  • - Filmausbildung an Hochschulen und
  • - berufliche Ausbildung
  • - Spielfilm
  • - Internationalisierung

 

 


Erkenntnisse und Perspektiven

 

Ein Blick auf das Filmland zeigt, dass wesentliche Empfehlungen der Filmkonzeption aus dem Jahr 2008 in der Filmförderung umgesetzt werden konnten. Die Produktionsförderung der MFG wurde durch zusätzliche Landesmittel gestärkt, insbesondere für den Ausbau des Bereichs Animation und VFX, dessen gestiegene internationale Wahrnehmung und Wettbewerbsfähigkeit auch auf die Gründung des Animation Media Clusters Region Stuttgart (AMCRS) zurückgeht, das der Branche insgesamt zu einem klaren Aufritt verhilft. Auch die Entwicklung und Produktion von hochwertigen Games hat an Relevanz gewonnen. Die Kino- und Festivalförderungen wurden angehoben, ebenso die Beiträge des Landes für das Haus des Dokumentarfilms. Deutlich gestärkt wurde die Filmakademie mit zusätzlichen Landesmitteln, die unter anderem die Forschung am Animationsinstitut unterstützen und dabei helfen, diese zu verstetigen.

Zugleich ist – auch nach den Rückmeldungen aus den Foren zur Filmkonzeption – festzustellen, dass es immer noch Herausforderungen gibt. Die Bedingungen für die Filmbranche haben sich deutlich verändert. Setzte die Filmkonzeption 2008 noch stark auf das lineare Fernsehen und ein verstärktes Engagement privater Sender am Standort (eine Erwartung, die sich nicht erfüllt hat), verzeichnen wir heute eine gestiegene und weiter steigende Bedeutung von Streaming-Diensten, die damals nicht absehbar war und eine Veränderung der Sehgewohnheiten und des Nutzungsverhaltens vorangetrieben hat, einhergehend mit dem Wachstum neuer, insbesondere serieller Formate. Davon und von der damit verbundenen Internationalisierung sind alle Bereiche der Branche betroffen, insbesondere die Bereiche Animation und VFX, genauso wie die internationalen Filmfestivals und Branchenveranstaltungen, die Filmhochschulen sowie mit zunehmender Nachfrage durch die Streaming- und Video--on-Demand-Dienste wie Netflix, Amazon oder Warner auch der Bereich der international produzierten Serien. Darüber hinaus drängen sich gesellschaftsrelevante Themen in den Vordergrund und prägen zunehmend ebenso die Arbeit der Filmbranche. Dazu gehören: ökologische Nachhaltigkeit, faire Bezahlung und Geschlechtergerechtigkeit sowie Diversität, aber auch das Bedürfnis nach einer Stärkung der Film- und Medienbildung. Daraus ergeben sich folgende Perspektiven für die Zukunft:

 

 


Entwicklung des Standorts

 

Die Weiterentwicklung und Stärkung des Filmstandorts in der Breite ist ein Ziel des Landes. Dabei wird der Bereich Animation und VFX weiterhin einen Schwerpunkt bilden. Zudem wird die Förderung von Nachwuchsproduktionen ein zentrales Anliegen bleiben, sowohl beim Spielfilm als auch beim Dokumentarfilm. Baden-Württemberg hat in diese Ziele schon in der Vergangenheit nachhaltig investiert und tut es weiter. So sind im Landeshaushalt 2020/2021 zusätzliche Mittel für den Filmstandort vorgesehen.

Die Entwicklung des Standorts hängt von vielen Faktoren ab, die in den folgenden Kapiteln im Einzelnen beleuchtet werden sollen. Bezogen auf den Produktionsstandort und die Auftragssituation spielt das Engagement der Fernsehsender eine tragende Rolle. Im Zuge des Prozesses zur Fortschreibung der Filmkonzeption hat sich hier ein konstruktiver Dialog zwischen SWR (und auch dem ZDF), Filmschaffenden, MFG und Land entwickelt, der unter Einbindung vor allem der Anbieter von Streaming-Inhalten fortgesetzt werden soll. Die langjährig etablierten Kooperationen der MFG mit dem SWR, aber auch mit dem ZDF, bleiben in diesem Zusammenhang weiterhin wichtig.

 

 


Produktionsförderung der MFG

 

Gute Filme brauchen gute Stoffe und gute Drehbücher. Verstärkte Investitionen in diesen Förderbereich können die Filmschaffenden in die Lage versetzen, Filme zu entwickeln, die bessere Chancen am Markt haben. Die Ausweitung der Stoffentwicklungsförderung ist eine Forderung der Branche nicht nur für den Spielfilm, sondern auch für den Dokumentarfilm, den Animationsfilm und für Serien. Die neue Vergabeordnung der MFG sieht bereits in einem ersten Schritt eine Ausweitung der Stoffentwicklungsförderung vor, weitere Schritte sind vor-gesehen. Streaming-Dienste werden auch für die Verbreitung von Filmen immer wichtiger. Gemäß der neuen Vergabeordnung der MFG sind Video-on--Demand-Produktionen explizit genannt und damit ausdrücklich förderfähig. Die Diskussion in den -Filmkonzeption-Foren zeigt: Dieser Weg ist richtig. Allerdings sollten die Anbieter ebenso einen finanziellen Beitrag an die MFG leisten, so wie dies SWR und ZDF tun.

 

 


Spielfilme und Serien

 

Fiktionale Stoffe aus dem Land können gesellschaftliche Themen aufgreifen, die die Lebenswirklichkeit der Menschen mit künstlerischer Handschrift widerspiegeln. Der Spielfilm bildet eine feste Säule der Filmförderung in Baden-Württemberg. Insbesondere die Förderung von Nachwuchs-Produktionen wurde gemeinsam mit den Sendern weiter ausgebaut. Serien--Produktionen schaffen darüber hinaus längerfristige Perspektiven. Ihre Ansiedlung am Standort ist ein wichtiges Ziel des Landes und auch ein Wunsch der Branche. Die MFG unterstützt dies durch Anschubfinanzierungen.

Beflügelt durch den digitalen Wandel nimmt die Internationalisierung im Film- und Medienbereich zu. Mit den wachsenden non-linearen Medienangeboten steigt die Rezeption internationaler Filme und Serien auf digitalen Endgeräten – mit Folgen für die Sehgewohnheiten, die sich zunehmend an internationalen Standards und Formaten ausrichten. Auch die Ansprüche an die Förderung ändern sich damit. Beispiele dafür sind die Line-Producer-Förderung der MFG und die damit verbundene Öffnung der Förderung für Streaming-Dienste und Video-on-Demand-Anbieter sowie der Ausbau der Förderung zur Stoffentwicklung von Serien. Hinzu kommt der Deutsch-Französische Filmförderfonds der MFG für europäische Serien-formate. Diese Förderinstrumente sollten verstärkt kommuniziert und weiterentwickelt werden.

Auch die Herstellung von Filmen verändert sich. Digitale Werkzeuge erleichtern die arbeitsteilige Produktion über Ländergrenzen hinweg. So stehen die Unternehmen noch stärker als bisher im globalen Wettbewerb. Serielle Formate erfordern neue Arbeitsweisen. Damit verändern sich zugleich die Anforderungen an die filmische Ausbildung, die unter Einbindung der Themen Diversität und kulturelle Vielfalt entsprechend weiterentwickelt werden muss. Die Filmbranche hat sich darauf eingestellt.

Bei den Fernsehsendern stehen internationale Koproduktionen auch zukünftig neben vor allem deutschen Produktionen, da beim Publikum weiterhin ein großes Bedürfnis nach Stoffen aus dem eigenen Umfeld besteht. Auch der neue Medienstaatsvertrag, der europäische Quoten für Streaming-Dienste und VoD-Anbieter vorsieht und vermutlich in Deutschland Ende 2020 in Kraft trifft, greift dies im Grundsatz auf.

Gleichwohl besteht bei regionalen Produzentinnen und Produzenten die Sorge, nicht über die Größenordnung für derartige Produktionen zu verfügen; von Produktionsseite werden daher regionale Quoten thematisiert.

 

 


Dokumentarfilm

 

Dokumentarfilme haben eine hohe Relevanz als Spiegel der Gesellschaft. Sie schaffen Öffentlichkeit für relevante Themen, fungieren als Seismograph und prägen mit künstlerischer Perspektive gesellschaftliche Diskurse. Um einen eigenen dokumentarischen Blick zu entwickeln, braucht es jedoch Zeit und Geld. Die stärkere Anerkennung ihrer Werke durch die MFG-Förderung und bei den Sendern war eine dringende Forderung der Filmemacherinnen und Filmemacher in den Foren der Filmkonzeption. Der Entwurf der neuen Vergabeordnung macht den Weg frei für eine Förderung der Stoffentwicklung auch für Dokumentarfilme. Darüber hinaus wird mit der vorgesehenen allgemeinen Stärkung der Stoffentwicklung durch die MFG-Förderung ein wesentliches Anliegen der Filmschaffenden erfüllt.

Zentral für die Dokumentarfilmförderung des Landes bleibt weiterhin das 1991 vom damaligen Süddeutschen Rundfunk, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart als gemeinnütziger Verein gegründete Haus des Dokumentarfilms und das Europäische Medienforum sowie das SWR Doku-Festival in Stuttgart. Eine verbesserte technische Infrastruktur für die Landesfilmsammlung ist notwendig und soll möglichst zeitnah und im Rahmen der Kooperation mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg erfolgen.

 

 


Animation und Visuelle Effekte (VFX)

 

Der Bereich Animation und VFX bleibt ein wesentlicher Schwerpunkt der Film- und Medienpolitik in Baden-Württemberg. In der Branche gibt es ein starkes Bekenntnis zum Standort und innovative Entwicklungskonzepte mit dem Ziel, die internationale Spitzenposition zu halten, und den Wunsch nach einer deutlichen Ausweitung der Förderbudgets. Die Produzentinnen und Produzenten von Animationsfilmen schaffen vor allem durch die Entwicklung von Originalstoffen künstlerische wie wirtschaftlich nachhaltige Werte für Baden-Württemberg. Das gilt auch für die Spezialistinnen und Spezialisten für VFX. Sie binden Fachkräfte an das Land und haben internationale Reputation erworben, von der das gesamte Filmland profitiert.

Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen wie die Filmakademie Baden-Württemberg mit dem Animationsinstitut, die Hochschule der Medien oder das Zentrum für Animationsforschung der Universität Tübingen bilden den Nachwuchs aus und unterstützen die Branche durch Forschung und die Entwicklung neuer Anwendungen. Die verschiedenen Veranstaltungsformate wie das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart, die FMX – International Conference on Animation, Effects, Games and Immersive Media oder die Animation Production Days sind wichtig, um das Filmland international sichtbar zu machen, das Publikum zu erreichen und Austausch zu ermöglichen. Auch die Bedeutung von Forschung, Entwicklung und Technologietransfer für den Standort wächst. Das Cyber Valley Tübingen Stuttgart ist in diesem Kontext eine wichtige neue Größe.

Eine zentrale Rolle spielt die Förderung der MFG. Dazu gehört insbesondere die Line-Producer-Förderung, die ein wesentliches Förderinstrument ist und auch in Zukunft zum Einsatz kommen soll. Von den Mittelzuwächsen im Landeshaushalt 2020 und 2021 profitiert der Bereich ganz wesentlich, das gilt für die Produktionsförderung der MFG, aber auch für das Animationsinstitut der Filmakademie. Es ist von zentraler Bedeutung, die auf zwei Jahre befristeten Mittel für die Produktionsförderung der MFG in den Folgejahren zu verstetigen und möglichst weiter zu steigern.

 

 


Games

 

Der Games-Sektor muss mehr Unterstützung erhalten – im Schulterschluss zwischen dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Wirtschaftsministerium. Games sind nicht nur wichtige Kulturgüter, sie verfügen auch über weitergehendes Anwendungspotenzial in anderen Bereichen wie zum Beispiel dem Industrie- und Gesundheitssektor. Aus Sicht der ansässigen Branche entwickelt sich der Games-Bereich rasant und mit höheren Umsätzen weltweit als die des klassischen Filmmarkts. Dadurch gibt es hier einen hohen Personalbedarf. Neben der Weiterentwicklung und Erforschung von Games an den Hochschulen und der Etablierung neuer Firmen sind in den vergangenen Jahren insbesondere im Bereich der immersiven und erweiterten Medien Handlungsfelder entstanden. Hier hat Baden-Württemberg hervorragende Grundlagen etwa durch das Animationsinstitut der Filmakademie, das als eine der weltweit besten Ausbildungsstätten in diesem Bereich auch verstärkt Forschung und Entwicklung betreibt, sowie durch die Hochschule der Medien in Stuttgart mit dem Studiengang Audiovisuelle Medien und anwendungsorientierte Forschung, unter anderem in den Bereichen Computeranimation und Visuelle Effekte. Diese positive Entwicklung gilt es für das Land in den nächsten Jahren zu stärken. Die ab Juli 2020 gültige neue Richtlinie zur Förderung von Games in Baden-Württemberg, die das Programm Digital Content Funding ablöst, unterstützt die Prototypen- und Konzeptentwicklung sowie die Produktion von hochwertigen digitalen Spielen und innovativen interaktiven Medienprojekten mit Spielecharakter.

 

 


Kino- und Verleihförderung

 

Das Kino würdigt aktuelle Filmkunst ebenso wie das Filmerbe. Es ist als Bildungsort quer durch alle Milieus und Altersschichten unverzichtbar. Als zentrale Auswertungsstelle für den Film hängt an ihm zudem die Existenz vieler Produktions- und Verleihfirmen. Mit dem Aufkommen von Streaming-Diensten und der Änderung des Nutzungsverhaltens verändert sich auch der Kinomarkt. Die Kinos sind daher strukturell in einer schwierigen Lage. Die Besucherzahlen gehen vor allem in den großen gewerblichen Kinos deutlich zurück und sind durch die coronabedingten Schließungen bedroht. Doch gilt es Kinos, gerade auch außerhalb der Ballungsräume, dringend zu erhalten. Das ist in Baden-Württemberg der Fall: Kinos sind als kulturelle Orte im ganzen Land vertreten. Vor diesem Hintergrund ist eine Stärkung der Kinoförderung notwendig, differenziert nach den unterschiedlichen Profilen der kommunalen und der gewerblichen Kinos. Digitalisierung und Kinokrise führen auch bei den Filmverleihfirmen zu einem radikalen Wandel in den weiteren Verwertungsstufen. Auch in Zukunft sollen daher Verleih- und Vertriebsmaßnahmen von der MFG unterstützt werden, um eine vielfältige Verleihlandschaft und eine umfassende Filmauswertung zu gewährleisten. Eine Anpassung der Verleihförderung des Bundes könnte zudem dabei helfen, bessere Verleihbedingungen gerade für Kinos außerhalb von Ballungsräumen zu schaffen.

 

 


Festivals und Veranstaltungen

 

Die rund 50 Filmfestivals in Baden-Württemberg sind Ausdruck eines Kulturangebots in den Ballungsgebieten wie auch in den ländlichen Räumen. Sie haben ebenso kulturelle wie wirtschaftliche Funktion und bieten Zugang zu Filmen aus der ganzen Welt. Mit einer thematisch differenzierten Palette an Festivals und Veranstaltungen, die auch den Schwerpunkt Animation und Visuelle Effekte abbildet, ist das Land breit aufgestellt. Dabei hat sich die Festivalszene in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Das Wissen-schaftsministerium wird seine Festivalför-derung, die einen wichtigen Baustein der Film- und Medienpolitik darstellt, analysieren und die Schwerpunkte, wo erforderlich, neu justieren. Im Februar 2020 haben sich aus den Foren der Filmkonzeption heraus mehrere Festivals zu einem Landesnetzwerk zusammengeschlossen und bringen sich über die AG Filmfestivals auch bundesweit mit ihren Interessen ein. Sie sprachen sich für eine Stärkung der Festivals und Veranstaltungen in der Förderung, bei Partnerschaften und in der Kommunikation aus. Hierbei könnte die MFG zukünftig eine größere Rolle spielen.

 

 


Werbe- und Wirtschaftsfilm

 

Der Werbe- und Wirtschaftsfilm leistet einen wichtigen Beitrag zur Film- und Kreativwirtschaft im Land. Die Branche wünscht sich eine stärkere Unterstützung bei Wirtschaftskontakten und mehr filmspezifische Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Es ist geplant, die Branche in Kooperation mit dem Wirtschaftsministerium und über die MFG weiter zu unterstützen. Die MFG könnte im Rahmen ihrer Möglichkeiten prüfen, wie die Vernetzung der Branche weiter verbessert werden kann, gerade auch innerhalb der Filmszene in Baden-Württemberg.

 

 


Ökologische Nachhaltigkeit

 

Das Land Baden-Württemberg steht für eine verantwortungsbewusste Umweltpolitik, in der Nachhaltigkeit ein zentrales Entscheidungsmerkmal darstellt. Das muss auch für die Filmkultur gelten. Als erste regionale deutsche Filmförderung hatte die MFG ökologische Nachhaltigkeit zu einem Förderkriterium gemacht. Diese Strategie soll fortgesetzt und schrittweise noch verbindlicher ausgestaltet werden. Hier sind überregionale Abstimmungen zur Erreichung vergleichbarer Standards sinnvoll, auch, um der ökologischen Problematik der zunehmenden räumlichen Vernetzung der Filmwirtschaft Rechnung zu tragen. Ökologische Nachhaltigkeit soll daher auch außerhalb der Produktionsförderung in den Blick genommen werden, etwa bei der Förderung von Filmfestivals und Kinos, es sollte dabei aber nicht verkannt werden, dass diese im Wettbewerb dann möglicherweise Nachteile haben.

 

 


Soziale Nachhaltigkeit

 

Die leistungsgerechte und faire Bezahlung von Filmschaffenden ist ein wichtiges Ziel des Landes. Filmproduktionen, bei denen Filmschaffende, insbesondere niedrig Qualifizierte oder Hilfskräfte, nicht ausreichend bezahlt werden, sollen keine Förderung erhalten. Die für die Produktionsförderung eingesetzte Fachjury der MFG bewertet seit der Förderperiode 2018 die soziale Nachhaltigkeit der eingereichten Projekte. Diese Strategie soll fortgesetzt, immer wieder neu auf Verbesserungspotenzial überprüft und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden – bis hin zu einem noch stärker verpflichtenden Ansatz. Das Thema soll auch außerhalb der Produktionsförderung in den Blick genommen werden.

 

 


Geschlechtergerechtigkeit und Diversität

 

Wie in der Branche bundesweit, sind Frauen in der Filmwirtschaft in Baden-Württemberg unterrepräsentiert. Das Land arbeitet an Konzepten, diese Situation zu verbessern, insbesondere bei der Besetzung kreativer Schlüsselpositionen, um Chancengleichheit und Diversität zu stärken. Wichtige Handlungsfelder sind die Filmausbildung, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und die paritätische Besetzung von Vergabegremien in der Filmförderung, die bereits ein Gendermonitoring eingeführt hat. Diese Aktivitäten sollen fortgesetzt, immer wieder neu auf Verbesserungspotenzial überprüft und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden.

 

 


Hochschulen und Akademien 

 

Die Landespolitik engagiert sich stark für Hochschulen und Akademien. Dies betrifft auch den Bereich Film und Medien, in dem die Einrichtungen in Lehre und Forschung breit aufgestellt sind. Die -große Nachfrage nach akademischer Ausbildung im Bereich von Animation und VFX innerhalb von Baden--Württemberg hat in den vergangenen Jahren zu Spezialisierungen in den Studienfächern der Hochschulen geführt. Beispiele dafür sind der Studienschwerpunkt Animation beim Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg, technische Schwerpunkte in der Hochschule der Medien in Stuttgart und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien Offenburg oder die Erforschung von Animationsfilm und neuen Formaten am -Zentrum für Animationsforschung der Universität Tübingen. Mit der Umsetzung ihres Strategiepapiers 2030, das insbesondere eine Stärkung der Internationalisierung und des Animationsinstituts vorsieht, kann die Filmakademie dank zusätzlicher Landesmittel wichtige Weichen für die Zukunft stellen. Die Hochschulen des Landes erhalten mit dem neuen Hochschulfinanzierungsvertrag, der 2021 startet, über fünf Jahre hinweg insgesamt 1,8 Milliarden Euro -zusätzlich.

 

 


Film- und Medienbildung

 

Film- und Medienbildung ist eine Schlüsselqualifikation, die eine angemessene und kundige Teilhabe an den Angeboten der Mediengesellschaft ermöglicht. Vor diesem Hintergrund ist die Stärkung der Film- und Medienkompetenz ein wichtiges Ziel der Landespolitik in Baden-Württemberg. Zum Spektrum der MFG gehören daher zahlreiche medienpädagogische Programme wie die Initiative „Kindermedienland“, für die die MFG im Auftrag des Staatsministeriums die Geschäftsstelle führt und der SWR als Medienpartner fungiert, sowie Programme im Rahmen der Kooperation mit der Landesanstalt für Kommunikation. Dazu gehören auch Programme wie der Schülermedienpreis oder die Kinder-Trickfilmakademie auf dem Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart.

Weitere Akteure sind beispielsweise das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung, das Landesmedienzentrum, das Haus des Dokumentarfilms sowie das neue Kompetenzzentrum Kulturelle Bildung und Vermittlung, das derzeit vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst aufgebaut wird. Darüber hinaus gibt es viele Institutionen und Projekte vielfältigster Trägerorganisationen im Land, die mit unterschiedlichsten Ansätzen die Film- und Medienkompetenzvermittlung innerhalb und außerhalb der Schule fördern.

 

 


Berufliche Ausbildung 

 

In der beruflichen Ausbildung im Filmbereich sieht die Branche Nachholbedarf. Abgesehen vom SWR, der unter anderen in den Berufen Fachinformatik, Mediengestaltung, Veranstaltungstechnik ausbildet, fehlt es an Unternehmen, die groß genug sind, um ausbilden zu können. In Entsprechung dazu hat die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Bereich der Filmwirtschaft in Baden-Württemberg seit 2008 abgenommen. Vor diesem Hintergrund hat der Filmausschuss der Industrie- und Handelskammer Reutlingen in Kooperation mit dem Filmverband Südwest eigene Zertifikatslehrgänge konzipiert. Diese Initiative wird vom Land begrüßt. Gleiches gilt für die umfangreichen Ausbildungsmaßnahmen des SWR.

Das Wirtschaftsministerium fördert überdies Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der beruflichen Ausbildung, etwa durch Ausbildungsbotschafter in den Schulen, die auch für filmspezifische Ausbildungsberufe werben.

 

 


Ausblick: Dialog fortsetzen

 

Eine wesentliche Erkenntnis aus den Foren zur Filmkonzeption war, dass in der Branche ein breites Bedürfnis nach Dialog und Vernetzung besteht. Die Rahmenbedingungen am Filmstandort ändern sich derzeit in hohem Tempo, so dass die bisherigen Intervalle zu lang sind. Der Prozess zur Fortschreibung der Filmkonzeption ist daher auch als Einstieg in -einen noch intensiveren und kontinuierlichen Dialog zwischen Politik und Branche zu sehen. Denn ein -zukunftsfähiger Filmstandort braucht – nicht nur in akuten Krisenzeiten – den direkten Austausch der Akteurinnen und Akteure, um schnelle und tragfähige Lösungen zu finden und ein solides Fundament für die Herstellung und Verbreitung von hochwertigen Bewegtbildern zu schaffen.