Kunst und Kultur in ländlichen Räumen | Statements

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  • Kunst und Kultur in ländlichen Räumen

Klaus Pavel, Landrat Ostalbkreis:

„Kunst und Kultur sind „harte“ Standortfaktoren und nicht nur „weiche“, wie allgemein behauptet wird. Was wäre eine Raumschaft ohne Kultur? Kunst und Kultur machen eine Raumschaft stark. Sie sind keine frei-willige Aufgabe der Kommunalpolitik; sie müssten eine Pflicht-aufgabe sein.“

 


Christoph Palm, Präsident des Landesmusikverbandes Baden-Württemberg und OB a. D.:

„Wir werden uns als Konsequenz unserer heterogenen Gesellschaft die Mühe machen müssen, überall individuelle oder zumindest auf lokale Besonderheiten angepasste Lösungen zu finden. Es ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein Grundprinzip unseres Staatswesens, nämlich das Subsidiaritätsprinzip, die Vereinsautonomie beinhaltet. Vertrauen wir bitte darauf, dass Entscheidungskompetenz und Handlungsfreiheit für die Akteure vor Ort positive Kräfte freisetzen werden. Für ihr eigenes, persönliches Umfeld sind die meisten Menschen am Ehesten bereit, sich mit vollem Einsatz zu engagieren.“

 


Prof. Dr. Hermann Wilske, Präsident Landesmusikrat Baden-Württemberg:

„Auch wenn die ländlichen Räume Baden-Württembergs aufgrund ihrer beachtlichen ökonomischen Entwicklung und kulturellen Vielfalt kaum mit anderen Bundesländern verglichen werden können, so ist eine noch intensivere Förderung des musikalischen Lebens in Breite und Spitze nicht nur unabdingbar, sondern letztlich auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit.“

 


Susanne Rehm, Geschäftsführerin der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg:

„Um die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Kunst und Kultur in ländlichen Räumen zu ermöglichen, braucht es einen gut funktionierenden ÖPNV oder mehr Förderung und Unterstützung für mobile Angebote der kulturellen Bildung.“

 


Reiner Hoff, geschäftsführender Vorstand Landesverband Kommunale Kinos Baden-Württemberg im Bundesverband Kommunale Filmarbeit:

„Das Kino lebt. Film als Kunst und sein Kulturort Kino stehen längst in einer Reihe mit Theatern, Musikstätten, Bibliotheken und Museen und werden zunehmend auch in Klein- und Mittelstädten als Beitrag zur kulturellen Teilhabe und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt betont.“ 

 


Thorsten Weckherlin, Intendant Landestheater Tübingen:

„Eigentlich ist eine Landesbühne das Theater der Zukunft: ein Theater, das Profis und Nicht-Profis, Städte und die sogenannte „Fläche“ miteinander vernetzt, ins Gespräch bringt, für Austausch und Bewegung zwischen diesen scheinbar so weit auseinanderliegenden Kulturen sorgt.“

 


Dr. Karin Bürkert, Universität Tübingen:

„Das Engagement im Theater, in Geschichtsvereinen oder in der Landfrauenarbeit schafft ein Problembewusstsein und befähigt dazu, Lösungen für ein gutes Zusammenleben zu entwickeln. Orchester, Gesangvereine oder Handwerk bieten außerdem Formen des Lernens und Ausagierens ästhetischer Erfahrungen.“ 

 


Prof. Dipl.-Ing. Kerstin Gothe, Architektin und Stadtplanerin, Stuttgart:

„Ich sehe eine große Chance darin, einen Bezug zwischen vorhandenen – oft untergenutzten oder leer-stehenden – Raumangeboten und zivilgesellschaftlichen und künstlerischen Akteuren herzustellen. Stichwort: Heimat bilden durch die gemeinsame kreative Nutzung von Räumen, die eine Geschichte haben.“

 


Stefan Hallmayer, Stiftung Theater -Lindenhof:

„Wenn wir von ländlichen Räumen reden, reden wir gleichermaßen auch von Dezentralität und Vielfalt. Beides können entscheidende Größen in der Bewältigung anstehender gesellschaftlicher Aufgaben sein – ob zu Fragen der Energiegewinnung, der Ernährung oder der kulturellen Vielfalt. Im Überwinden von Monokulturen und im Beschreiten unterschiedlicher Pfade schlummern die Lösungen.“ 

 


Andreas Kämpf, Kulturzentrum GEMS Singen:

„Die letzte Kulturkonzeption des Landes Baden-Württemberg wurde vom Landeskunstbeirat erstellt, dem ich die Ehre hatte anzugehören. Im Gegensatz zu diesem spartenorientierten Gremium hat man sich dieses Mal für eine themenbezogene Vorgehensweise entschieden, was ich als großen Gewinn betrachte.“

 


Christoph Karle, Musikakademie des Bundes Deutscher Blasmusikverbände, Staufen:

„Die finanzielle Unterstützung des ländlichen Kulturraumes benötigt aus meiner Sicht eine Neuorientierung. Die ländlichen Räume sind vielerorts mit Nicht-Kulturräumen ausgestattet, in denen Konzerte und Kulturveranstaltungen unmöglich zu realisieren sind. Indes gibt es hier zahlreiche Kulturschaffende, die kulturelle Teilhabe durch aktive Teilnahme vorleben und entsprechende Räume benötigen.“

 


Naemi Zoe Keuler, Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg:

„Innerhalb der Entwicklung von Infrastruktur in ländlichen Räumen braucht es ein Augenmerk auf die interdisziplinäre Verknüpfung von Kunst, Kultur, Sozialem, Bildung und Wirtschaft.“

 


Jan Merk, Museumsverband Baden-Württemberg, Markgräfler Museum Müllheim:

„Besonders wichtig ist mir, neben der Gründung neuer Institutionen bestehende Institutionen im Veränderungsprozess zu stärken und ihnen Wege zu eröffnen, die Potenziale wirkungsvoll in Netzwerken vor Ort, zwischen Stadt und Land, grenzüberschreitend zu nutzen. Dazu muss auch strukturell -betrachtet werden, welche Typen von Kulturinstitutionen es gibt und welche Aufgaben diese leisten können. So sind im Bereich Museen nicht alle nichtstaatlichen Museen „Heimatmuseen“.“

 


Dr. Thomas Schmidt, Deutsches Literaturarchiv Marbach:

„Die Dynamik moderner digitaler Gesellschaften wird sich nachhaltig auf die symbolischen Orte der Kultur, gerade auf die literarischen, -auswirken. In ländlichen Räumen ist das auch eine Chance, denn dort sind literarische Orte privilegierte Plätze kultureller Bildung und Initialorte der für demokratische Gesellschaften unabdingbaren -Lese- und Wertungskompetenz.“

 


Prof. Thomas Thiemeyer, Universität Tübingen:

„Kultur in ländlichen Räumen ist nicht defizitär oder minderwertig im Vergleich zum Kulturangebot in den Städten. Ihre Qualitätsmaßstäbe sind schlicht andere: Statt sich allein an den Exzellenzkriterien der Werkästhetik auszurichten, zielt sie auch auf Teilhabe der Bevölkerung und definiert sich dann als erfolgreich, wenn sie ein breites Publikum am Ort erreicht und es für Kultur interessieren kann. Daraus sind schon vor Jahrzehnten eigenständige Kunstformen entstanden, die heute die städtischen Kulturinstitutionen für sich entdecken: von den Bürgerbühnen bis zur Bürgerwissenschaft.“ 

 


Kirsten Wieczorek, Fachstelle öffentliches Bibliothekswesen im Regierungspräsidium Stuttgart:

„Mein Anliegen im Dialog war, die kommunalen öffentlichen Bibliotheken als wichtige Knotenpunkte in Sachen kulturelle Bildung und als Treffpunkte ins Bewusstsein zu rücken und gleichzeitig mehr über die anderen Akteure zu erfahren.“ 

 


Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz:

„Unsere Kommunen sind lebendige Arbeits- und Lebensräume. In ländlichen Räumen finden sich gesunde Strukturen, reizvolle Landschaften und Menschen, die genau da, wo sie sind, auch leben wollen. In diesem Zusammenhang trägt ein reiches kulturelles Angebot zur Identifikation der Menschen mit ihrem Lebensort bei. “

 

 

 

Aus dem Beratungskreis

 


Dr. Karin Bürkert, Akademische Rätin a.Z. am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft, Universität Tübingen:

„Im Verlauf des Dialogs ist deutlich geworden, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich mehr Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit im Kunst- und Kulturbereich wünschen – in der Politik, in der Wirtschaft, aber auch in der Zivilgesellschaft. Kultur sollte als eigener Wert und maßgeblicher Faktor für eine funktionierende Gesellschaft anerkannt und gefördert werden. Denn Kunst und Kultur sind nicht nur Standortfaktoren, die zahlungskräftige Neubürgerinnen und Neubürger in den ländlichen Raum locken. Das Engagement im Theater, in Geschichtsvereinen oder in der Landfrauenarbeit etc. schaffen ein Problembewusstsein und befähigen dazu, Lösungen für ein gutes Zusammenleben zu entwickeln. Orchester, Gesangvereine oder Handwerk bieten außerdem Formen des Lernens und Ausagierens ästhetischer Erfahrungen. Sie vermitteln Selbstbewusstsein und Selbsterfahrungen im Zusammenspiel mit der lokalen Umwelt, Traditionen, Materialien etc. Dies zeigt sich in den spezifischen historischen und lokalen Gegebenheiten ländlicher Räume in ganz eigenen Qualitäten.“

 


Prof. Dipl.- Ing. Kerstin Gothe, Architektin und Stadtplanerin:

„Ich sehe eine große Chance darin, einen Bezug zwischen vorhandenen – oft untergenutzten oder leerstehenden – Raumangeboten und zivilgesellschaftlichen bzw. künstlerischen Akteuren herzustellen. Stichwort: Heimat bilden durch die gemeinsame kreative Nutzung von Räumen, die eine Geschichte haben. Strategien der Transformation können sich auch auf die Aneignung von Räumen beziehen – sowohl von öffentlichen bzw. offenen Räumen als auch von privaten bzw. geschlossenen Räumen. Temporär und dauerhaft. Leerstände sollten nicht als Herausforderung, sondern als Ressource gesehen werden. Ebenso sollte Baukultur als Teil der Kultur begriffen werden. Der Dialog war ein fruchtbarer, anregender und lebendiger Prozess: klare Fragen, keine Scheuklappen, gute Vor- und Nachbereitung, das Nebeneinander von Gruppengespräch in geschütztem Rahmen und Dialog mit einer interessierten Öffentlichkeit.“

 


Stefan Hallmayer, Intendant der Stiftung Theater Lindenhof:

„Sicher sind kulturelle Vielfalt und kulturelle Angebote in ländlichen Räumen nicht annähernd so reich und vielschichtig wie in den Metropolen. Analog dazu ist Kulturförderung in vielen ländlichen Landesteilen auch keine feste Größe. Kulturförderung taucht in den Haushalten ländlicher Gemeinden, wenn überhaupt, unter den so genannten Freiwilligkeitsleistungen auf. Trotzdem ist die gängige Ableitung, dass Kultur in oder aus der Provinz grundsätzlich provinziell ist ein Vorurteil. Kulturarbeit in ländlichen und peripheren Räumen ist nur anders und oft traditionell definiert. Zieht man von Dorf zu Dorf ist sie so divers, wie die Orte selbst. Das eine Dorf prosperiert, der Nachbarort verliert seine Infrastruktur. Die einen setzen auf Sport, die anderen auf Brauchtumspflege, ein Dritter auf Theater. Wenn wir von ländlichen Räumen reden, reden wir gleichermaßen auch von Dezentralität und Vielfalt. Beides können entscheidende Größen in der Bewältigung anstehender gesellschaftlicher Aufgaben sein. Ob zu Fragen der Energiegewinnung oder der Ernährung oder der kulturellen Vielfalt. Im Überwinden von Monokulturen und im Beschreiten unterschiedlicher Pfade schlummern die Lösungen. Kooperations- und Koordinierungsfähigkeit sind maßgebliche Kompetenzen einer erfolgreichen Zukunftsgestaltung. Auf globaler und auf lokaler Ebene.
Die Versorgung der ländlichen Räume mit Kultur durch Akteure aus den Metropolen kann daher nur ein Baustein sein. Kulturelle Vielfalt und kulturelles Leben braucht das partizipative Momentum und das Einbeziehen der Akteure vor Ort. Es geht darum unterschiedlichste Ausrichtungen und Ansätze von Kulturinitiativen zuzulassen und zu fördern, ortsspezifische und eigenwillige Impulse zu stärken und durch entsprechende Kooperationen und Unterstützungen zur Blüte zu führen.  
Mein Anliegen im Dialog war es, die richtigen Fragen zu stellen: Damit Denk- und Sichtweisen der Kulturarbeit in Bewegung geraten. Damit es gelingt Vorurteile zu überwinden. Damit wir auf Antworten kommen, die wir noch nicht wissen. Damit wir Lust zu mutigem Handeln auslösen und Chancen erkennen.
Ganz besonders wichtig ist mir, dass wir lernen, die unterschiedlichen Beweggründe, die zu einer künstlerischen Arbeit und zu gesellschaftlicher Teilhabe führen, akzeptieren und dass wir Bereitschaft und Engagement jenseits des fachspezifischen Könnens als außerordentliche Kompetenz schätzen. Ferner, dass dem Versuch und dem Experiment ein Vorrecht eingeräumt wird und Initiativen nicht in Diskussionen über Hoch- und Tiefkultur und Kultur in der Fläche und Kultur ohne Fläche usw. untergehen. Auch in ländlichen Räumen darf die Kunst scheitern. Unterschiedlichkeit ist eine kulturelle Stärke.“

 


Andreas Kämpf, Geschäftsführer Kulturzentrum GEMS Singen, Mitglied im Sprecherrat des Deutschen Kulturrates, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Soziokulturellen Zentren Baden-Württemberg, Mitglied im Vorstand der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren:

„Kulturarbeit in ländlichen Räumen ist für die Soziokulturellen Zentren in Baden-Württemberg ein wesentliches Thema. Gut die Hälfte unserer Mitgliedseinrichtungen befindet sich in ländlichen Räumen. Oftmals sind sie dort die einzige ortsfeste Kultureinrichtung. Diese Einrichtungen arbeiten größtenteils rein ehrenamtlich. Trotzdem haben sie massive Probleme, da die meistens sehr kleinen Gemeinden kaum Möglichkeiten haben, nennenswerte finanzielle Unterstützung zu bieten und da in den Gemeindeverwaltungen oftmals das für Kulturthemen qualifizierte Personal fehlt. Der Gedanke, mit Unterstützung des Landes freiwillige Zusammenschlüsse mehrerer Gemeinden zu bilden, sollte hier weiterverfolgt werden. Vergleichbares gibt es zum Beispiel in der Schweiz. Oder, allerdings nicht ganz freiwillig, in Sachsen.
Die Stärkung der Zivilgesellschaft, die Bewahrung des sozialen Zusammenhangs in den ländlichen Räumen sind Themen, die zurzeit die Diskussionen auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene prägen. Seit den Zeiten der Künstler-Boheme, die nach Worpswede zog, über die „Kultur in der Provinz“-Bewegung der frühen Achtziger Jahre bis in die Gegenwart hat es immer wieder Initiativen heraus aus den Städten gegeben. Selbst in Städten wie Berlin sind die früher vorhandenen Leerstände und Freiräume kaum noch vorhanden. Heute gibt es die „Raumpioniere“, die Initiative „KoDorf“, das Netzwerk „Kreativorte Brandenburg“ und vieles mehr. Diese Entwicklung sollte eine Kulturpolitik des Landes verfolgen und unterstützen.“

 


Christoph Karle, Akademiedirektor die Musikakademie des Bundes Deutscher Blasmusikverbände in Staufen:

„Mein Anliegen im Dialog war, die Möglichkeiten des spartenübergreifenden Zusammenwirkens von Musik, Theater, Kunst und Literatur sichtbar zu machen und zu unterstützen. Alle Sparten bieten eine Vielfalt an Chancen, sich in neuen Formaten und Projekten identitätsstiftend zu vernetzen, sich zu stärken und gemeinsam in die Zukunft zu befördern. Dabei ist es sehr wichtig, dass Hochkultur nicht ausschließlich metropolisch betrachtet wird, sondern dass Hochkultur in den ländlichen Räumen es verdient hat, sichtbar gemacht und spürbar unterstützt zu werden. 
Die finanzielle Unterstützung des ländlichen Kulturraumes benötigt aus meiner Sicht eine Neuorientierung. Der ländliche Raum ist vielerorts mit Nicht-Kulturräumen ausgestattet, in denen Konzerte und Kulturveranstaltungen unmöglich zu realisieren sind. Indes ist der ländliche Raum voller Kulturschaffenden, die kulturelle Teilhabe durch aktive Teilnahme vorleben und entsprechende Räume benötigen. 
Der aktuelle Dialogprozess stellt eine wichtige Form der Weiterentwicklung von Kulturthemen dar. Er öffnet wichtige Räume der Begegnung, der Zusammenarbeit und der Zukunftsentwicklung. Er ist Fortbildung für alle! Um ihn an der Basis spürbar werden zu lassen, sind in Folge konkrete Maßnahmen der Unterstützung im ländlichen Räumen sehr wichtig. Dabei sollte Aus- und Weiterbildung von Ehrenamtlichen eine zentrale Rolle spielen. 
Kulturehrenamt benötigt ehrenamtliches Fachpersonal, welches ausgebildet werden muss. Kulturverantwortliche benötigen Rüstzeug für ihre tägliche Arbeit. Dies ist aus meiner Sicht die Basis für Nachhaltigkeit, Zukunft und gelingende Transformation im Kulturehrenamt.“ 

 


Naemi Zoe Keuler, Präsidentin des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg:

„Mein Anliegen im Dialog war, unterschiedliche Perspektiven, Strukturen und Prozesse innerhalb der Infrastruktur sowie der kulturellen Entwicklung zu beleuchten und zu verstetigen. Dabei sehe ich vor allem die Verantwortung darin, die Basiskultur und die Hochkultur interdisziplinär zu betrachten, einen Zusammenhang zwischen der Zuschauergewinnung, der Partizipation von Amateurkünstlern und der Kulturellen Bildung zu verdeutlichen. 
Besonders wichtig ist mir die Einbindung von lokalen Akteuren, die Sensibilisierung von urbanen wie ländlichen Kulturschaffenden für die jeweiligen Bedürfnisse, Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Zudem möchte ich Künstler, Vereine und Menschen bei der Entwicklung eines eigenen Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls unterstützen. Die „Landkultur“ steht der „Stadtkultur“ in keiner Weise nach. Innerhalb der Entwicklung von Infrastruktur im ländlichen Raum braucht es ein Augenmerk auf die Verknüpfung von Kunst, Kultur, Sozialem, Bildung, Mobilität und Wirtschaft.
Wir entdecken in unserer Arbeit auf dem Land viele wunderbare Ideen, enorm spannende künstlerische Produkte und ein klares Augenmerk auf die Gemeinschaft. Neben einem großen Maß an Tradition und Identität finden wir starke Bündnisse und moderne Interpretationen von allen Kunstformen. Ehrenamt und freiwilliges Engagement zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung sind selbstverständlicher als in der Stadt. Netzwerke sind im Alltag integriert. Allerdings ist eine Übergreifende künstlerische Arbeit zwischen den traditionellen Kunstformen seltener zu finden als in der Stadt.
Eine Herausforderung für das künstlerische und kulturelle Leben auf dem Land ist die Mobilität von Menschen: Ohne einen öffentlichen Nahverkehr fällt es all jenen schwer, an Kultur teilzuhaben, die nicht auf ein Auto zurückgreifen können. Anders als in einer Stadt werden beispielsweise 15km zu einer regionalen Distanz, die nicht überbrückbar wird. Hier sind moderne Konzepte gefragt, aber auch eine Zusammenarbeit zwischen den Betroffenen, der Kommune und dem Land. 
Zukunftsvisionen als Sicherung der kulturellen Vielfalt und Stärke sind eng verknüpft mit der starken Infrastruktur auf dem Land. Der Informationsfluss, beispielsweise für Förderprogramme oder Weiterbildungsmöglichkeiten, scheint häufiger zu versiegen, bevor der Einzelne erreicht wird. 
Daher setzen wir als Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg auf dezentrale Weiterbildungen, bieten Theatergruppen die Möglichkeit, finanzielle Mittel über das Land für lokale Bildungsmaßnahmen oder Projektmittel abzurufen. Wir suchen unsere Bühnen auf, bieten zudem Vernetzungsplattformen. Gleichzeitig hat uns der Dialogprozess als Verband in einen nachhaltigeren Austausch mit anderen großen Akteuren wie den Musikverbänden oder den Museen gebracht: Unsere Arbeit überschneidet sich in vielen Bereichen. Uns allen kommt in quantitativer Hinsicht eine überproportionale große Rolle als Mittler und Träger der Kultur wie auch kulturellen Bildung im Ländlichen Raum zu. Die Vorstellung von Gesellschaft als soziale, räumliche Anordnung beinhaltet auch die Möglichkeit, andere Räume zu nutzen, oder sogar neue Räume zu bilden. Daher wollen wir unseren Teil dazu beitragen, dass die Herausforderungen und Chancen auf dem Land nachhaltig gemeistert werden und sichtbarerer gemacht werden können. 
Eines der wichtigsten Ziele wird es sein, miteinander Zeit zu verbringen und voneinander zu lernen. Wenn wir lokal und regional möglichst viele kunst- und gesellschaftsaffine Menschen zusammenbringen und mit Wissen und Mitteln ausstatten - unabhängig davon, in welcher Disziplin sie sich mehr zuhause fühlen, ob Theater- und Musikvereine, Chöre, Landfrauen, lokale Historikerinnen und Historker, integrationsfördernde Vereinigungen, Schulen, Museen, die kommunalen Gremien oder selbst die freiwillige Feuerwehr – dann werden sich immer neue Ideen entwickeln, Pläne geschmiedet und zukünftige Aktionen und Räume eröffnet.“

 


Jan Merk, Leiter des Markgräfler Museums Müllheim, Präsident des Museumsverbandes Baden-Württemberg Kommissionsmitglied des trinationalen MuseumsPassMusées:

„Mein Anliegen im Dialog war, Möglichkeiten auszuloten, statt der vielkritisierten „Projektitis“ eine ermöglichende Förderpolitik zu definieren, die langfristige Ziele und Nachhaltigkeit im Blick hat, zugleich Flexibilität im Programm und den Netzwerken zulässt und das Potenzial, dass gerade auch Museen als integrierende Kulturinstitutionen bieten, stärker ins Bewusstsein zu heben. Die Rolle, die Museen für den Zusammenhalt der Gesellschaft sowohl mit Angeboten für einzelne Gruppen wie die VHS-Integrationskurse, Schülerinnen und Schüler, Vereine, Menschen mit Demenz, Menschen mit Einschränkungen u.v.m. wahrnehmen als auch mit der Initiierung und Durchführung von Projekten zu hochaktuellen, gegenwartsrelevanten Fragestellungen ist noch sehr entwicklungsfähig. Museen bieten dazu - so der italienische Museumstheoretiker Pier Luigi Sacco - eine weithin anerkannte, oft mit langfristig erarbeitetem Renommee versehene „platform of participation“ neben ihren bekannten weiteren Funktionen als „temple of knowledge“ und „entertainment machine“.
Besonders wichtig ist mir dabei, neben der Gründung neuer Institutionen vor allem bestehende Institutionen im dafür notwendigen Veränderungsprozess zu stärken und ihnen Wege zu eröffnen, die beschriebenen Potenziale wirkungsvoll in Netzwerken vor Ort, zwischen Stadt und Land, grenzüberschreiten zu nutzen. Dazu muss auch strukturell betrachtet werden, welche Typologie von Kulturinstitutionen es gibt und welche „Typen“ welche Aufgaben leisten können (im Bereich Museen z.B. sind nicht alle nichtstaatlichen Museen „Heimatmuseen“ in der landläufigen Vorstellung).

 


Dr. Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg im Deutschen Literaturarchiv Marbach:

„Die Dynamik moderner digitaler Gesellschaften wird sich nachhaltig auf die symbolischen Orte der Kultur, gerade auf die literarischen, auswirken. In ländlichen Räumen ist das auch eine Chance, denn dort sind literarische Orte privilegierte Plätze kultureller Bildung und Initialorte der für demokratische Gesellschaften unabdingbaren Lese- und Wertungskompetenz. Allerdings reicht die neutralisierende Rede vom kulturellen Ort hier nicht weit genug. Es bedarf einer Evaluation und Hierarchisierung solcher Orte, deren hohe Integrationskraft lange einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt geleistet hat. Sie müssen darauf hin geprüft werden, ob und wie sie neue Integrations- und Identifikationsangebote machen und zu Reflexions- und Experimentierräumen für soziale und kulturelle Probleme werden können.

 


Prof. Thomas Thiemeyer, Leiter des Lehrstuhls für Empirische Kulturwissenschaften am Ludwig-Uhland-Institut, Universität Tübingen:

„Kultur in ländlichen Räumen ist nicht defizitär oder minderwertig im Vergleich zum Kulturangebot in den Städten. Ihre Qualitätsmaßstäbe sind schlicht andere: Statt sich allein an den Exzellenzkriterien der Werkästhetik auszurichten, zielt sie auch auf Teilhabe der Bevölkerung und definiert sich dann als erfolgreich, wenn sie ein breites Publikum am Ort erreicht und es für Kultur interessieren kann. Kulturpflege als Selbstzweck und Arbeit in und mit der Gemeinde gehen hier Hand in Hand. Daraus sind schon vor Jahrzehnten ganz eigenständige und neue Kunstformen entstanden, die heute die städtischen Kulturinstitutionen für sich entdecken: von den Bürgerbühnen bis zur Bürgerwissenschaft. Hier war der ländliche Raum Vorreiter.“ 

 


Kirsten Wieczorek, Leiterin der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen im Regierungspräsidium Stuttgart:

„Mein Anliegen im Dialog war, die kommunalen öffentlichen Bibliotheken als wichtige Knotenpunkte in Sachen kulturelle Bildung und als Treffpunkte ins Bewusstsein zu rücken und gleichzeitig mehr über die anderen Akteure zu erfahren. Besonders wichtig ist mir, Gemeinsamkeiten mit anderen Einrichtungen sowie Alleinstellungsmerkmale von Bibliotheken herauszuarbeiten.“

 

 

 

Von Teilnehmerinnen und Teilnehmern

 

 


Sven Wisser, Intendant Junge Ulmer Bühne:

„Ein Diskussionsforum wie dieses kann man sich nur wünschen: ein Austausch zwischen den unterschiedlichsten Akteuren und Akteurinnen, ein Interesse der Politik an der Kultur im Land, toll. Wenn es jetzt uns noch gelingt, ein Wunschprojekt wie „Toleranz im ländlichen Raum“ – ein Projekt für Jugendliche und Künstler, bei dem es um einen aktiven politischen Diskurs geht – zu realisieren, dann war und ist dieses Format für alle ein nachhaltiger Erfolg gewesen.“

 


Andreas Jendrusch, Intendant Regionentheater – aus dem schwarzen Wald:

„Als Theater im ländlichen Raum sind wir immer wieder mit großen infrastrukturellen Herausforderungen konfrontiert: Eine schlechte Mobilfunkverbindung, die den Kontakt mit Künstlern und Veranstaltern erschwert. Eine aufwändige Planung der An- und Abreise von Künstlern ohne Auto – oder Künstler, die ihr Engagement aufgrund mangelnder bzw. zeitraubender Reiseverbindungen absagen müssen. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht zudem darin, Publikum und Förderer von unserer Qualität zu überzeugen. Diese sind meist völlig überrascht, dass ein Profitheater mit dieser Bandbreite vor ihrer Haustür arbeitet, und hätten diese Qualität sonst nur in den Metropolen erwartet.“

 


Matthias Jochner, Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Heidenheim:

„In den vergangenen vier Jahren haben die Opernfestspiele Heidenheim eine klare Sicht auf ihre Rolle im ländlichen Raum Ostwürttembergs entwickelt. Als internationales Festival haben sie mit Junger Oper und Musikwerkstatt ein partnerschaftliches Miteinander in einem wunderbaren Netzwerk aus zahlreichen Kultur- und Bildungseinrichtungen entwickelt. Ein starker Impuls für den Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft: Profis arbeiten mit Ehrenamtlichen, Kindern, Jugendlichen – auf Augenhöhe! Ein ausgewogener Mix aus projektweiser und struktureller Förderung ist Bedingung für kreative und kontinuierliche Vermittlungsarbeit.“

 


Gunter Dlabal, Vorsitzender Südwestdeutscher Gauverband der Heimat- und Trachtenvereine:

„Tracht ist Kult(ur)!“

 


Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz:

„Unsere Kommunen im ländlichen Raum sind lebendige Arbeits- und Lebensräume. Unsere Wirtschaft ist stark, die ,Hidden Champions‘ des Mittelstandes stehen für solide Qualität aus Baden-Württemberg und bieten anspruchsvolle Arbeitsplätze. Baden-Württemberg hat einen starken und attraktiven ländlichen Raum, der angesichts des wirtschaftlichen Erfolgs, einer immer schneller werdenden Welt und der künftigen Herausforderungen das starke Rückgrat Baden-Württembergs bildet.
Gerade in der Zeit einer zunehmenden Globalisierung und einer wachsenden räumlichen Flexibilität besinnen sich die Menschen zurück auf ihre Wurzeln. Überall im ländlichen Raum finden sich gesunde Strukturen, reizvolle Landschaften und Menschen, die genau da, wo sie sind, auch leben wollen. In diesem Zusammenhang trägt ein reiches kulturelles Angebot zur Identifikation der Menschen mit ihrem Lebensort bei. Dies unterstützt das Land durch die Kulturförderung im Förderprogramm LEADER und im Rahmen des Impulsprogramms für den Gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

 


Klaus Pavel, Landrat Ostalbkreis:

„Kunst und Kultur sind ,harte‘ Standortfaktoren und nicht nur ,weiche‘, wie allgemein behauptet wird. Was wäre eine Raumschaft ohne Kultur? Kunst und Kultur machen eine Raumschaft stark. Sie sind keine freiwillige Aufgabe der Kommunalpolitik; sie müssten eine Pflichtaufgabe sein.“

 


Christoph Palm, Präsident des Landesmusikverbandes Baden-Württemberg und OB a. D.:

„Um vor Ort Neues zu schaffen, sollte auf die bereits bestehenden, fachlichen und überfachlichen sowie infrastrukturellen Ressourcen der Amateurmusik zugegriffen werden. Das ,Rad‘ flächendeckend ,neu erfinden‘ zu wollen, scheint uns überflüssig und ineffizient. Große Aufmerksamkeit müssen wir dem Vernetzungsgedanken widmen und regen daher den auf lokale Gegebenheiten angepassten Einsatz von regionalen Kulturmanager*innen oder die Bildung kommunaler Kulturverbände an. 
Um es nicht im Unkonkreten zu belassen, öffnen wir gerne als signifikantes Signal unser überfachliches Bildungsangebot ,Mitspielen in der Zukunft‘, das wir vor rund drei Jahren gemeinsam mit dem Institut für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg passgenau entwickelt haben, für alle Kulturschaffenden und Vereinsverantwortlichen im Land. Zeitgemäß strukturiert und methodisch innovativ ist das Programm ein Ausdruck unseres hohen Qualitätsanspruchs. Nach unserer Erfahrung legen die Menschen im Land auch bei ihrer musikalischen Freizeitgestaltung die Messlatte hoch. Dem gilt es, gerecht zu werden.
Damit dies gelingen kann, müssen wir uns alle stärker an den durch Mobilität, Flexibilität und Effektivität geprägten Lebenswirklichkeiten der Menschen orientieren und beispielsweise weniger in politischen Räumen oder Verwaltungsbezirken denken. Damit einher geht, dass ,Kirchturmdenken‘ eine schlechte Voraussetzung für das Entstehen von langfristig tragfähigen Strukturen ist. Dieses aus den Köpfen zu bekommen, bevor der Leidensdruck einen dazu zwingt, ist die hohe Kunst der Politik und der Verbandsarbeit. Alle politischen Entscheidungsebenen müssen sich ferner vergegenwärtigen, dass es keine ,Blaupausen‘ geben kann. Wir werden uns als Konsequenz unserer heterogenen Gesellschaft die Mühe machen müssen, überall individuelle oder zumindest auf lokale Besonderheiten angepasste Lösungen zu finden.
Abschließend ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein Grundprinzip unseres Staatswesens, nämlich das Subsidiaritätsprinzip, die Vereinsautonomie beinhaltet. Vertrauen wir bitte darauf, dass Entscheidungskompetenz und Handlungsfreiheit für die Akteure vor Ort positive Kräfte freisetzen wird. Für ihr eigenes, persönliches Umfeld sind die meisten Menschen am Ehesten bereit, sich mit vollem Einsatz zu engagieren.“

 


Prof. Dr. Hermann Wilske, Präsident Landesmusikrat Baden-Württemberg:

„Kultur, hier insbesondere Musik in ländlichen Räumen, ist während der letzten Monate mit Recht in den Fokus des politischen Interesses genommen worden. Auch wenn die ländlichen Räume Baden-Württembergs aufgrund ihrer beachtlichen ökonomischen Entwicklung und kulturellen Vielfalt kaum mit anderen Bundesländern verglichen werden können, so ist eine noch intensivere Förderung des musikalischen Lebens in Breite und Spitze nicht nur unabdingbar, sondern letztlich auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit.“

 


Susanne Rehm, Geschäftsführerin Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg e.V.:

„Das kulturelle Leben in den ländlichen Räumen wird oft von Ehrenamtlichen, engagierten Einzelkämpfern oder kleineren Institutionen gestaltet. Sie brauchen hauptamtliche und sachkundige Unterstützerinnen und Unterstützer vor Ort und Netzwerke, in denen sie sich austauschen können, so können sie immer wieder Impulse erhalten und sich weiterentwickeln.
Um die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Kunst und Kultur in ländlichen Räumen zu ermöglichen, braucht es einen gut funktionierenden ÖPNV oder mehr Förderung und Unterstützung für mobile Angebote der kulturellen Bildung. Als Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung wünschen wir uns, dass die vielen engagierten Projekte, die in den letzten Jahren entstanden sind, nach und nach in Strukturen überführt werden, um eine kontinuierliche und zuverlässige Arbeit vor Ort zu gewährleisten.“

 


Sabine Brandes, Geschäftsführerin Landesverband der Kunstschulen Baden-Württemberg:

„Kunstschulen sind Kreativ-Hotspots und gerade in ländlichen Räumen unglaublich wichtig für Austausch und Kommunikation. Sie führen an Kunst und Kultur heran, vermitteln praktisches Wissen und sind zugleich auch Treffpunkte für alle Generationen bei Vernissagen, bei Theateraufführungen und im Alltag, wenn zusammen Kunst gemacht wird. Deshalb müssen sie in ihren vielfältigen Funktionen, die Bildung und Kunst umspannen, weiter gestärkt werden!“

 


Stephanie Hock, Referentin Unternehmensentwicklung, Unit Kultur- und Kreativwirtschaft bei der MFG Baden-Württemberg und Sprecherin der Landesgruppe Baden-Württemberg der Kulturpolitischen Gesellschaft:

„Kultur- und Kreativschaffende sind Impulsgeber und Pioniere für gesellschaftliche, digitale und kulturelle Innovationen wie Gamification oder Coworking – insbesondere in ländlichen Regionen. Das können sie nur, wenn sie finanziell und wirtschaftlich gut aufgestellt sind. Im Rahmen des ,Dialogs | Kulturpolitik für die Zukunft‘ fand ich daher den ressortübergreifenden Blick wichtig und richtig.“

 


Reiner Hoff, geschäftsführender Vorstand Landesverband Kommunale Kino Baden-Württemberg im BKF – Bundesverband Kommunale Filmarbeit:

„Das Kino lebt. Zu Beginn des neuen Jahrzehnts liegt die Zahl der Kinostandorte, also der Städte und Gemeinden mit einem eigenen Kino, auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren – trotz zuweilen bedrohlich schwankender Zuschauerzahlen und vereinzelt schwieriger Betreiber-Situationen. Film als Kunst und sein Kulturort Kino stehen längst in einer Reihe mit Theatern, Musikstätten, Bibliotheken und Museen und werden zunehmend auch in Klein- und Mittelstädten als Beitrag zur kulturellen Teilhabe und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt betont. Nach Schließungsgefahr können vielerorts traditionsreiche Lichtspielhäuser unter starkem bürgerschaftlichem Engagement und in unterschiedlicher Trägerschaft weitergeführt werden, kommt es gerade außerhalb der Ballungsräume vermehrt zu Wieder- und Neueröffnungen. In Wechselwirkung mit den Vorstellungen der engagierten Zivilgesellschaft ist das Kino in den Fokus der Bundes- und Landeskulturpolitik und vielfältiger Fördervorhaben geraten, die zum Teil noch synchronisiert werden sollten. Die mittelständischen Programmkinos und die Kommunalen Kinos wünschen sich, dass bewährte Förderinstrumente weiter ausgebaut werden, neue Kulturprogramme – speziell für den ländlichen Raum – das Kino selbstverständlich einbeziehen und das Kino als kultureller, sozialer und politischer Ort geschützt wird.“   

 


Thorsten Weckherlin, Intendant Landestheater Tübingen (LTT):

„Eigentlich ist eine Landesbühne das Theater der Zukunft: ein Theater, das Profis und Nicht-Profis, Städte und die sogenannte ,Fläche‘ miteinander vernetzt, ins Gespräch bringt, für Austausch und Bewegung zwischen diesen scheinbar so weit auseinanderliegenden Kulturen sorgt.“

 

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