Strategien der Transformation | Treff im Zirkuszelt – Ganz Ohr für die Jugend | JES Stuttgart

Treff im Zirkuszelt – Ganz Ohr für die Jugend

Nicolai Schwartz

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Treff im Zirkuszelt – Ganz Ohr für die Jugend

Wie steht es bei der Jugend um die Akzeptanz von Kunst und Kultur? Und was sagt dies über das Publikum von morgen aus und damit über künftige Kulturangebote? Mit diesen Fragen im Hinterkopf traf sich Staatssekretärin Petra Olschowski im November 2019 mit einer Gruppe Jugendlicher, die sich im Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe für kulturelle Belange engagieren. 

Das Treffen fand im Zirkuszelt des Otto-Dullenkopf-Parks in Karlsruhe statt. Ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche künstlerischen und sportlichen Aktivitäten nachgehen, innovative Kulturveranstaltungen erleben und einen Großteil ihrer Freizeit verbringen. Die konkrete Zielsetzung des Nachmittages war, mit den Jugendlichen über Kunst und Kultur in einen inhaltlichen Diskurs zu treten, ihre diesbezüglichen Sichtweisen, Vorstellungen und Erwartungen kennenzulernen. 

Mit dem Zirkuszelt im Otto-Dullenkopf-Park wurde bewusst eine Örtlichkeit gewählt, in der die Jugendlichen fast täglich ein- und ausgehen und die sie als ihre Location betrachten. Auch die Kennenlernmethode Speed Dating richtete sich an den jungen Gesprächspartnerinnen und -partnern aus und trug zur lockeren Atmosphäre für den Gedanken- und Ideenaustausch bei.

Kunst und Kultur haben bei der Jugend einen hohen Stellenwert. Das belegt der Wunsch nach mehr Teilhabe an den Angeboten und Programmen der Kunst- und Kultureinrichtungen. Dies galt nicht allein für die Einrichtungen der Subkultur, sondern gerade auch für klassische Institutionen wie Oper und Theater. Aus Sicht der Jugendlichen wären offenere Strukturen und die aktive Einbeziehung von Jugendlichen erste Schritte, damit sich das Publikum von morgen schon heute angesprochen und ernstgenommen fühlt. Das betrifft auch die Sprache, die Einrichtungen für Marketing und Vermittlungsprogramme wählen. Als positives Beispiel für eine gelungene Ansprache und Einbeziehung der Jugend wurde immer wieder das museum x des Badischen Landesmuseums genannt. Eine stärkere Partizipation könnte zudem den Dialog zwischen den Generationen fördern.

Die Kulturbauten könnten weiterhin genutzt werden, sollten aber stärker als bisher auf die Bedürfnisse der Jugendlichen abgestimmt sein. Als positives Beispiel wurde hier das Badische Staatstheater hervorgehoben, das die Partizipation junger Leute aktiv fördert und ihnen das Theaterfoyer während des Tages als Aufenthalts- und Lernort zur Verfügung stellte – freies WLAN inklusive.

Gleichzeitig forderten die jugendlichen Gesprächspartner von der Kulturpolitik wie von der Gesellschaft eine höhere Akzeptanz für die Subkultur, insbesondere für neuere Sparten wie Parcours und Gaming. 

Als eines der größten Mankos wurde das Fehlen von Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern genannt. Diese könnten als eine Art Mittler fungieren, um die Kulturpolitik, kulturelle Einrichtungen, Kulturschaffende und Jugendliche enger miteinander zu vernetzen. Die Staatssekretärin sprach sich dafür aus, die Begegnung mit den Jugendlichen zu intensivieren und fortzusetzen.

Nicolai Schwartz ist Referent am Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst