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Forum: Neue gesellschaftliche Bündnisse

 


Zentrale Themen wurden spartenübergreifend in vier Foren diskutiert. Das „Forum: Neue gesellschaftliche Bündnisse“ beleuchtete bestehende und wünschenswerte Partnerschaften zwischen Kulturakteuren und Zivilgesellschaft, Freundes- und Förderkreisen, Sponsoren und Förderern aus der Wirtschaft und Politik.

Veranstaltungen

Forumsleitung und Beratungskreis

Haupttext

Handlungsempfehlungen

  • Kunst- und Kultureinrichtungen sollten die Entwicklung von Freundes- und Förderkreisen strategisch mitdenken, diese begleiten, unterstützen und würdigen.
     
  • Qualifizierungsangebote für Ehrenamtliche in Kulturfördervereinen und vergleichbaren Initiativen sollten geschaffen beziehungsweise gezielt gefördert werden.
     
  • Bürgerschaftliches Engagement in Freundes- oder Förderkreisen sollte zeitgemäß gedacht werden. Neben dem klassischen Ehrenamt sind von Seiten der Zivilgesellschaft auch projektbezogene, temporäre und wechselnde Formen des Engagements hilfreich und mit öffentlicher Anerkennung zu würdigen, bis hin zu Vergabe von Rentenpunkten.
     
  • Sinnvoll ist es, Kooperationen zu professionalisieren, sie etwa durch ein multidisziplinäres Team mit eigenen Kompetenzen zu erweitern. Netzwerke aus Künstlerinnen und Künstlern, Kulturmanagerinnen und -managern, Kulturinstitutionen und regionalen Einrichtungen der Zivilgesellschaft oder der Amateurkultur schaffen Resonanz in neuen „Echoräumen“. Kooperationen gelingen, wenn sie durch klare Ziele geplant, gestaltet und gesteuert werden. Dabei helfen Kooperationsvereinbarungen, Zeit- und Projektpläne, Rollenklärung und eine Exit-Strategie.
     
  • Eine öffentliche Präsentation besonders gelungener Bündnisse zwischen Zivilgesellschaft, Amateurkultur und Kultureinrichtungen in Hinblick auf Inhalte des Projekts, Methodik oder Auswahl der Partner ist wünschenswert und wäre eine Form der Anerkennung.
     
  • Der Kulturdialog sollte themenspezifisch weitergeführt werden. Dies ermöglicht, die in diesem Prozess geschaffenen Netzwerke zu stärken und zu verstetigen.
     
  • Zu begrüßen wäre eine Kultur-Ideenbörse, die als „Think Tank“ dienen kann und kulturpolitische Fragestellungen thematisiert und zur Diskussion stellt.
     
  • Angeregt wird die Schaffung einer digitalen Plattform, die Fördermöglichkeiten auf kommunaler Ebene, Landes-, Bundes- und EU-Ebene darstellt.
     
  • Auf der Internetseite des MWK sollte es eine Übersicht über die Förderlandschaft der privaten und öffentlichen Kulturstiftungen geben.
     
  • Sinnvoll wäre die Schaffung einer Anlaufstelle, die Kultur und Wirtschaft enger verzahnt, um die Anzahl möglicher Kooperationen zu erhöhen und die Suche nach passenden Partnern effektiver zu gestalten. 
     
  • Die ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport sollte auf das Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau ausgeweitet werden.
     
  • Es sollten mehr Projekte gefördert werden, die Natur- und Geisteswissenschaften zusammenbringen und auch Kunst- und Kulturakteurinnen und -akteure einbeziehen. Technologische Erkenntnisse in künstlerische Prozesse zu übersetzen ist in deren Interesse. Bei der Besetzung von Gremien ist auch an Vertreterinnen und Vertreter aus der Naturwissenschaft und der Informatik zu denken.

 

Galerie

Best Practice


Partizipation der Zivilgesellschaft


Badisches Landesmuseum: Creative Collections 2.0 – museum x 

Mit seinem neuen Museumskonzept und dem Projekt Creative Collections verfolgt das Badische Landesmuseum die Neuausrichtung seiner -Sammlungsausstellungen und die Neubestimmung des Verhältnisses zum Publikum: Besucherinnen und -Besucher werden zu Nutzerinnen und Nutzern. Mit diesem Ansatz stellt sich das Badische Landesmuseum -aktuellen Fragen nach der Zukunft des Museums: Wie können sich Museen weiter öffnen? Wie kann das Museum gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern gestaltet werden? Wie sollen Museen in Zukunft aussehen? Auf der Grundlage der digitalen Erschließung der Sammlungsbestände werden zusammen mit den Nutzerinnen und Nutzern neue digitale Formen der Auseinandersetzung mit den Objekten des -Museums entwickelt. Hierfür hat das Projekt Creative Collections einen Bürgerbeirat ins Leben gerufen und digitale Vermittlungskonzepte -ent-wickelt, von denen erste Ergebnisse in das Pilotprojekt „Archäologie in Baden“ eingingen. Mit dem 2019 neu eingerichteten museum x wird dieser Prozess in einem frei zugänglichen Raum mit Einzel- und Gruppen-arbeitsplätzen und einem Info-Punkt des Badischen Landesmuseums -systematisch weitergeführt. 

→ https://www.landesmuseum.de/museumx


Kulturwerkstatt Simmersfeld 

Das soziokulturelle Zentrum für Kunst und Kultur im Nordschwarzwald bietet im „fest-spiel-haus“ ein spartenübergreifendes Kulturprogramm mit Aufführungen des Regionaltheaters aus dem schwarzen Wald für Kinder und Familien, Gastspielen, Konzerten von Klassik bis Rock, musikalischen Soireen, Varieté- und Kabarett-Abenden. Ein weiteres Projekt der Kulturwerkstatt Simmersfeld ist das in jedem Sommer stattfindende AMS-Camp, benannt nach Action, Mond und Sterne. Die viertägige Zeltstadt mit Mitmach--Küche und einem selbst erarbeiteten Kulturprogramm auf drei Bühnen wird von unterschiedlichen Gruppen und Einzelpersonen aus ganz Deutschland organisiert. Der zweiwöchige Aufbau und der einwöchige Abbau sind Teil des AMS-Camp-Projekts, dessen Vorbereitung sich über das gesamte Jahr erstreckt. Damit die Teilnahme am AMS-Camp nicht vom Geldbeutel abhängig ist, beruht sie auf Spendenbasis. Die Kulturwerkstatt Simmersfeld ist Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren in Baden-Württemberg e. V. (LAKS).

→ https://www.kulturwerkstatt-simmersfeld.de/


Lern- und Gedenkort Hotel Silber 

Das nach einem ehemaligen Herbergsbetrieb benannte Hotel -Silber in Stuttgart wurde mehr als ein halbes Jahrhundert lang von der Polizei genutzt und war Zentrale der Gestapo für Württemberg und Hohenzollern. In dem einstigen Ort des NS-Terrors entstand nach -einem -mehrjährigen Beteiligungsprozess des Landes mit Bürgerinnen und Bürger der Zivilgesellschaft, vor allem mit der Initiative „Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V.“, ein Ort des historisch-politischen -Lernens und der Begegnung. -Träger der Einrichtung ist das Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Programmpartner sind die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V., das StadtPalais, die -Landeszentrale für politische Bildung und die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und -Gedenkstätteninitiativen. 

Eine Finanzierungs- und Organisationsvereinbarung zwischen dem Land Baden-Württemberg und der -Landeshauptstadt Stuttgart ist die Grundlage für eine außergewöhnliche, institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen staatlichen Einrichtungen und der Zivilgesellschaft und regelt die Zusammenarbeit -zwischen dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel -Silber e. V. Im Verwaltungsrat sind das Land, die Landeshauptstadt Stuttgart sowie Vertreterinnen und -Vertreter der Zivilgesellschaft vertreten. Die Bürgerschaft ist somit beteiligt an der Beschlussfassung über die Finanzplanung und die künftige Entwicklung. Darüber hinaus ist sie im Programmbeirat vertreten sowie beim „Runden Tisch“, der einmal jährlich zusammenkommt. Dieses Gremium berät den Verwaltungsrat und spricht Empfehlungen aus.

→ https://www.geschichtsort-hotel-silber.de/

 


Fördervereine und Freundeskreise


Junge Freunde Staatsgalerie 

Erleben, verstehen, fördern: Mit diesem dreiteiligen Anliegen machen die -Jungen Freunde der Staatsgalerie im Alter zwischen 18 und 35 Jahren ein Programm für junge Kunstfreundinnen und Kunstfreunde. Vor und hinter den Kulissen der Staatgalerie und auch an anderen Kulturorten lernen die -aktuell etwa 330 Mitglieder in dem haupt- und ehrenamtlich organisierten Verein Künstlerinnen und Künstler, Epochen und Techniken kennen. Gemeinsam nehmen die Mitglieder an Sonderführungen teil, bringen einen Newsletter heraus und organisieren Kunstreisen, wobei die Reiseziele stets einen Bezug zur Staatsgalerie haben. Je nach individueller Vorliebe und Neigung können sich die Mitglieder in unterschiedlichen AGs einbringen, etwa in die Öffentlichkeitsarbeit, die Programmplanung, die Akquise von Mitgliedern und Sponsoren oder die Organisation der „Jungen Nacht“ unterstützen. Die Jungen Freunde Staatsgalerie sind Mitglied in der -Bundesinitiative Junge Freunde Kunstmuseen  www.bundesverband-der-foerdervereine.de.

→ https://www.freunde-der-staatsgalerie.de/jungefreunde.html


Wirtschaftsclub Literaturhaus 

Der Wirtschaftsclub im Literaturhaus Stuttgart ist ein Podium für den -kreativen Gedankenaustausch zwischen Wirtschaft und „kulturfernen“ Berufsfeldern, Kunst und Literatur in der Region Stuttgart. Das jeweilige Jahresprogramm mit sechs Abenden ist einem aktuellen Generalthema an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Kunst und Literatur gewidmet. Aus der Diversität der beruflichen und gesellschaftlichen Erfahrungen entstehen besondere Impulse und neue Erkenntnisse. Der Austausch zwischen Jung und Alt liegt dem Wirtschaftsclub Literaturhaus besonders am Herzen.

→ http://www.wirtschaftsclub-literaturhaus.de/

 


Heimat und Identität


Hausacher LeseLenz 

Was mit drei Schriftstellern bei einer ersten Veranstaltung mit 13 Zuhörerinnen und Zuhörern im Frühjahr 1998 begann, hat sich zu einem der „spannendsten Literaturfestivals im deutschsprachigen Raum entwickelt“. So schreibt die „Frankfurter Allgemeine“ über das identitätsstiftende Kulturereignis im ländlich geprägten Schwarzwald. Zwischen 4.000 und 5.000 literaturbegeisterte Menschen besuchen jedes Jahr im Juli die Lesungen mit internationalen Autorinnen und Autoren. Dann sind die Straßenlaternen entlang der Hauptstraße mit Gedichten beflaggt, werden das Rathaus, die Stadthalle und der Mostmaierhof zu Schauplätzen von Lesungen, Konzerten und Slam Poetry. An der Reihe „kinderleicht & lesejung“ nehmen jährlich mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler aus Hausach, dem Kinzigtal, der Ortenau und darüber hinaus teil. Außerdem vergibt der Hausacher LeseLenz drei Aufenthaltsstipendien für Prosa, Lyrik sowie Kinder- und Jugendbuch und verleiht jährlich den „LeseLenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur“. Der Hausacher LeseLenz ist Mitglied im Netzwerk europäischer Lyrikfestivals und Literaturfestivals Versopolis. 

→ http://leselenz.eu/
 

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