Zum Dialog allgemein | Grußwort | Stuttgart

Grußwort

Winfried Kretschmann MdL

Als bekennender Opernliebhaber schätze ich nicht nur das erstklassige Musiktheater in Baden-Württemberg, sondern die gesamte vielfältige und lebendige Kunst- und Kulturlandschaft in unserem Land. Kunst und Kultur sind weit mehr als nur Unterhaltung, sie sind gesellschaftlich höchst relevant. Ja sogar systemrelevant! Das ist seit Beginn der Corona-Krise noch deutlicher geworden, seitdem wir schmerzhaft auf einen großen Teil von Kunst und Kultur verzichten müssen. Die Corona-Pandemie hat wie ein globales Erdbeben den Menschen den sicheren Halt unter ihren Füßen weggezogen und in nur wenigen Wochen alle Bereiche unseres Lebens erschüttert. Und gerade in diesen schwierigen Zeiten ist unser Bedürfnis nach Kunst und Kultur größer denn je. Uns allen fehlten Kinoabende, Lesungen, Ballett, Theater, Konzerte, oder – wie mir persönlich besonders – die Oper. Nicht nur hauptberufliche Künstlerinnen und Künstler machen Kunst. Viele Menschen verbringen ihre Freizeit mit Chor- oder Orchesterproben, auf der Impro-Bühne oder im Tanzkurs. 


Kunst und Kultur stiften Gemeinschaft, ermöglichen Begegnung und Austausch und bauen Brücken, die Menschen unterschiedlichster Herkunft und über Generationen hinweg verbinden. Kultur stiftet Heimat, gibt Halt und Orientierung. Kunst und Kultur sind aber auch wichtige Tabubrecher, überschreiten Grenzen und holen uns aus unserer Komfortzone. Sie geben uns Anstoß, verschiedenste Blickwinkel einzunehmen, die uns dabei helfen, Haltung zu entwickeln und Haltung zu zeigen. So auch aktuell in der Corona-Krise. Unsere Kulturschaffenden haben wunderbare kreative Formate entwickelt und viele Menschen in unserem Land in einer schweren Zeit erreicht und berührt: Gleichzeitig ist diese Pandemie für Kulturschaffende eine besonders harte Zeit. Die Kultur braucht unsere Solidarität.


Umso drängender ist die Frage, wie wir für Kunst und Kultur in Baden-Württemberg die richtigen Rahmenbedingungen schaffen können. Mit dem „Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft“, der im Jahr 2018 von Kunstministerin Theresia Bauer und Kunststaatssekretärin Petra Olschowski gestartet wurde, hat sich das Land zum Ziel gesetzt, die Kultureinrichtungen in Baden-Württemberg – insbesondere mit Blick auf die gesellschaftliche Transformation und damit verbundene Herausforderungen – zu unterstützen und zu begleiten. Über den großen Anklang, den der Dialogprozess bislang gefunden hat, freue ich mich außerordentlich. Eine Besonderheit war, dass aktuelle Themenfelder wie die „Digitalen Welten“, „Neue gesellschaftliche Bündnisse“, „Strategien der Transformation“ oder „Kunst und Kultur in ländlichen Räumen“ über die klassischen Sparten hinweg diskutiert wurden. Dadurch konnten die Beteiligten voneinander lernen und neue Partnerschaften aufbauen. Mit diesem Abschlussbericht liegen uns nun konkrete Handlungsempfehlungen vor, sowohl für die Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden, als auch für all jene, die für die Kulturförderung zuständig sind.


Im Namen der Landesregierung danke ich allen, die an der Auftaktveranstaltung, den vier Foren des Kulturdialogs oder an der Filmkonzeption teilgenommen und sich in die Diskussion so sachkundig und engagiert eingebracht haben. Diese Abschlussdokumentation markiert keineswegs das Ende der Diskussion, sondern dient als Grundstein für den weiterführenden intensiven Dialog zwischen den Kulturschaffenden und der Kulturförderung.